Grabpyramide des Grafen Wilhelm im Schaumburger Wald

Grabpyramide Graf Wilhelm mit Frau und Tochter

Historie:

Der Ort ist erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstanden und zählt zu den letzten Dorfgründungen im Landkreis Schaumburg. Die ersten Siedler drangen in ein sumpfiges Waldgebiet vor, das sie rodeten, um hier ein Haus mit zunächst kleinen Ackerflächen anzulegen. 1584 wird Rusbend das erste Mal urkundlich erwähnt. Genannt werden 5 Hausstellen. 1627 sind es schon 20 Brinksitzer-Stellen. Der verheerende 30-jährige Krieg stoppt diese Entwicklung, in den nächsten 100 Jahren kommt nur eine Hofstelle hinzu.
Die Schreibweise des Ortsnamens änderte sich von Rußbent in Rusbandt, Ruschbanden, Ruschbandt und erst 1740 heißt es Rusbend. Der Name entstammt der plattdeutschen Sprache. Er besteht aus zwei Silben, die erste Silbe: „Rus-“/ „Rusch-“ ist gleichbedeutend mit dem neuhochdeutschen Wort Binse. Die zweite Silbe: „bend“, „band“ ist gleichzusetzen mit dem neuhochdeutschen Wort Riedgras oder Schilf.

Es war sehr mühsam, den nassen und tonigen Boden in den niedrig gelegenen Gebieten zu beackern, und der Ertrag war gering. Deshalb entstanden nur sehr kleine Hofstellen, eine zusätzliche Arbeit als Waldarbeiter, Tagelöhner oder Handwerker war für die Einwohner lebensnotwendig.
Ab der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts, als Graf Albrecht Wolfgang 1738 eine Ziegelei in Rusbend anlegen ließ und den seit 1692 bestehenden Jagd- und Forstsitz Baum umfangreich erweiterte, nahm die Rusbender Dorfentwicklung eine positive Wende, schon 1836 hatte das Dorf 36 Hausstellen und 300 Einwohner.

Diese neu angelegte Ziegelei war zunächst die einzige in ganz Schaumburg-Lippe. Um 1800 arbeiteten etwa 30 Ziegler in der „Rusbender-Feldbrand-Fabrik auf dem Etzer-Berg am Kohlenweg“, Mauersteine und Dachziegel wurden im In- und Ausland verkauft. Dieser Kohlenweg, damals ein wichtiger Wirtschaftsweg, führte von dem Kohlenberge bei Sülbeck über Rusbend und der Zollstelle Baum zur Weser. Spuren dieser großzügigen Straße sind heute noch erkennbar. Die Wohngebäude der 1875 stillgelegten herrschaftlichen Ziegelei wurden später von der Försterei Rusbend genutzt.

Das Jagdschloss Baum, das 1758 Graf Wilhelm als Sommersitz anlegen ließ, hat bis heute eine besondere Bedeutung. Von hier aus führte Wilhelm viele Amtsgeschäfte und hier stellte sich der junge Scharnhorst vor, um in den Militärdienst des Grafen aufgenommen zu werden. Ganz in der Nähe wurde 1777 Graf Wilhelm mit Frau und Tochter in einer Pyramide beigesetzt. All das führte in den folgenden Jahren zum Ausbau des Jagdweges von Bückeburg nach Schloss Baum.

Seit 1840 gab es in Rusbend die Töpferei Niederbracht. Diese Zieglerfamilie war um 1800 aus dem Raum Schieder eingewandert und arbeitete zunächst in der herrschaftlichen Ziegelei. Der Familienbetrieb wurde 1862 vergrößert, fertigte Schalen und Blumentöpfe in großen Stückzahlen, die im Schaumburger und Calenberger Land bis nach Hannover vertrieben wurden. 1873 wurde der Betrieb um einen Feldbrandziegelofen erweitert, bis 1903 wurden hier Ziegelsteine hergestellt.


Verfasser: Ernst Spannuth

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